Wer Tarife nach dem heutigen Beitrag sortiert, sortiert nach der Zahl mit der geringsten Aussagekraft.
Warum Beiträge springen
Ein Versicherer darf den Beitrag nicht nach Belieben anpassen. Erst wenn die tatsächlichen Leistungsausgaben von den kalkulierten um einen festgelegten Prozentsatz abweichen, wird eine Überprüfung ausgelöst – und dann wird auf den aktuellen Stand gerechnet.
Die Folge: Vier Jahre keine Änderung, dann ein deutlicher Sprung. Das wirkt willkürlich, ist aber die Mechanik. Ein Tarif, der jahrelang stabil war, hat deshalb nicht unbedingt eine bessere Kalkulation – er kann auch kurz vor einer Anpassung stehen.
Alterungsrückstellungen
Im Alter steigen die Gesundheitskosten. Damit der Beitrag nicht im selben Maß mitsteigt, wird in jungen Jahren mehr eingezahlt als verbraucht. Dieser Teil wird angespart und später verwendet.
Daraus folgt zweierlei:
Ein sehr niedriger Einstiegsbeitrag kann bedeuten, dass weniger zurückgestellt wird – mit entsprechenden Folgen später.
Und: Beim Wechsel zu einem anderen Versicherer geht ein Teil dieser Rückstellungen verloren. Innerhalb desselben Unternehmens bleibt er erhalten. Das ist der Grund, warum ein interner Tarifwechsel fast immer die wirtschaftlichere Lösung ist.
Der gesetzliche Zuschlag
Auf Vollversicherungstarife wird ein gesetzlicher Zuschlag von zehn Prozent erhoben, der zusätzlich angespart wird und ab dem Rentenalter beitragsmindernd wirkt. Er ist verpflichtend und in den ausgewiesenen Beiträgen enthalten.
Beim Vergleich zweier Angebote lohnt die Frage, ob der genannte Beitrag ihn bereits enthält – sonst vergleicht man Ungleiches.
Woran sich Stabilität ablesen lässt
An der veröffentlichten Anpassungshistorie. Wie hat sich der konkrete Tarif – nicht das Unternehmen insgesamt – über zehn oder fünfzehn Jahre entwickelt?
Das ist Vergangenheit und keine Prognose. Es ist aber die einzige nachprüfbare Grundlage. Alles andere sind Zusagen über die Zukunft, die niemand geben kann.
Was bei geschlossenen Tarifen passiert
Tarife, die für Neukunden geschlossen werden, altern gemeinsam mit ihrem Bestand: Es kommen keine jungen Versicherten nach, der Altersdurchschnitt steigt, die Beiträge entwickeln sich entsprechend.
Die Frage, wie ein Versicherer mit geschlossenen Beständen umgeht und welche Wechselmöglichkeiten er anbietet, gehört deshalb in jeden ernsthaften Vergleich.
Hinweis: Dieser Beitrag gibt einen Überblick und ist keine Versicherungsberatung.